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Wurzeln und Flügel - Wenn unsere Babys groß werden...

Wurzeln und Flügel - Wenn unsere Babys groß werden...

. 5 minuten gelesen
„Nicht die Abnabelung, sondern die Bindung ist der Autonomiefaktor Nummer eins“
- André Stern

Du spürst eine Veränderung in der Beziehung zu deinem Kind? Es ist anders, spannend und doch irgendwie rumpelig. Die klassische Autonomiephase habt ihr bereits  hinter euch gelassen und tritt ein neuer Wandel in Kraft. Du fragst dich, wo eure enge und vertraure Verbindung ist. Es gibt Momente, da erkennst du dein Kind nicht mehr wieder?

Ich mag dir erzählen wie das bei uns war….
Unser Kind wollte plötzlich alleine zum Spielplatz, es war knapp fünf und wir wohnten an einem drei spurigen Kreisverkehr.  Diesen wollte er alleine überqueren, sehr klar und sehr kompromissbefreit. Es ging ihm um sehr viel in einer neuen Qialität. Alleine! Ganz alleine!

Mein Mann und ich standen uns gegenüber, beide sehr unterschiedlich, ja beide tief in unserem eignen Bindungsmuster berührt. Nach dem ersten Schock hielt ich inne und dachte „Warum nicht?“, während mein Mann sein riesiges „Nein“ spürte. Es holperte und unsere Fahrt, unser Weg begann unsere Kinder bindungsstark durch die (Vor-)Schulkindzeit, durch die Wackelzahnpupertät u begleiten.


… dann ziehen sie aus dem Familienbett aus um wenig später auch mal wieder „ins Nest“ fliegen…

Eine spannende Zeit, in der sich die Qualität unserer Beziehung veränderte. In der wir mit dem großen Thema Schule konfrontiert wurden und sind, mit all den Herausforderungen. Eine Zeit, in der die Freunde der Kinder eine ganz andere Rolle einnehmen und mein Kind Entwicklungsschritte macht, die mich nur staunen lassen. Eine Zeit, in der ich ein weiteres Mal eine wichtige Basis legen darf und soll, auch für die Zukunft. Gerade für die Pubertät gilt es eine Basis zu schaffen, der Vertrauen und Liebe zu Grunde liegt anstatt Misstrauen und Kampf. Eine Zeit, in der mein Kind so unglaublich viel Nähe sucht. Manchmal wieder angezogen werden möchte, mal aus dem Familienbett auszieht und wenig später wieder „ins Nest“ fliegt. Ein Kind, das immer wieder von seinen Emotionen überrollt wird und Dinge sagt die uns treffen. Doch diese Worte meinen nicht mich als Mutter, als Mensch, sie bewerten nicht uns. Nein, sie erzählen uns etwas von unserem Kind und seiner inneren Not, die es auf dieser Gefühls- und Emotionsachterbahn spürt.
Eine Zeit, in der ich mir als Mutter immer wieder auch meinen Raum nehme, um mich zu sortieren, um zu fühlen, um dann mein Kind so begleiten zu können, wie es mir wichtig ist.
In der Schulkindzeit zeigt sich noch einmal mehr wie sehr das Band unserer Bindung einem Gummiband ähnelt. Es darf sich weiten und unsere Kinder seine Flügel ausbreiten und gleichzeitig darf die Bindung warm und vertraut sein.
In dieser Zeit wachsen unsere Kinder so sehr über sich hinaus, rein körperlich und emotional. Und wir dürfen mit ihnen wachsen und ihnen und uns selbst Raum zum eigenen Wachsen geben.


…Rückhalt und Bestärkung für Wurzeln und Flügel….

Zunächst war es bei uns total spannend wie wir als Elternpaar mit dieser Entwicklung, ja auch diesem Konflikt umgehen. Und wie eng das mit unserer eigenen Geschichte verknüpft ist. Bei uns kristallisierte sich heraus, dass ich sozusagen als Flügelbeauftragte und mein Partner als Wurzelbeauftragter agierten.
Zu mir kommen die Kinder eher, wenn sie Bestärkung brauchen, Bestärkung neue Grenzen zu überwinden, neue Herausforderungen zu meistern.
Und zu ihrem Vater kommen sie, wenn sie den Rückhalt brauchen Herausforderungen auch sein lassen zu dürfen.  Wenn sie Rückhalt und tiefstes Verständnis bei Zweifeln und Ängste brauchen. Natürlich lässt sich dies im Alltag nicht immer so klar voneinander trennen und gleichzeitig nutzen die Kinder ihre Wurzeln und Flügel sehr klar und genießen den Rückhalt  und die Bestärkung von uns Erwachsenen
Gleichzeitig tauschen wir uns als Eltern intensiv aus und sind im Wachstum, schauen und spüren, welche eigene Geschichte sich dahinter verbirgt.

Unsere Kinder brauchen in diesem Alter so sehr beides! Wie stolz waren unsere Kinder, als sie nach einer Kita-Fahrt mit Übernachtung nach Hause gekommen sind und wie erleichtert, als wir bei Schularztuntersuchungen fest an ihrer Seite standen, auch wenn die Ärzte es anders gefordert haben. Sie äußerten auch ganz individuell wann und in welcher Form sie Zeit bei ihren Freunden verbringen, ob mit uns als Begleitung oder allein Die Bandbreite ist da so so facettenreich?  Während einige Kinder  bereits zu Beginnt des Kitaalters gerne Freunden ohne die Eltern besuchen, trauen sich andere diesen Schritt erst im Laufe der Grundschulzeit zu. Beides ist wunderbar und beides bedarf auch ein eigenes Gefühl von uns Eltern und welches sind die Bedürfnisse der Kinder und welche sind unsere eigene Themen als Mutter?

An dieser Stelle möchte ich gern Katia Saalfrank zitieren: „Kinder brauchen feinfühlige Eltern die sich selbst vertrauen.“

In dieser spannenden Zeit zwischen 5 und 10 verändert sich so viel und bleibt doch alles gleich, es geht um die sichere Bindung im Spannungsfeld zwischen tiefer Verbundenheit und Autonomie :

die körperliche Veränderung ist extrem sie wachsen schon rein körperlich so sehr und der Zahnwechsel vollzieht sich.

Die Erwartungshaltung von allen Seiten steigt enorm an unsere Kinder

Ein großer Übergang, die Schule steht an, wird überwunden, einfinden in das Schulleben.

Kommunikation ist ein Thema, es gilt die Nachricht der Kinder richtig zu lesen und in einem wertschätzenden Dialog zu bleiben und sich nicht in Machtkämpfen zu verstricken.

Freunde spielen eine wichtigere Rolle. Die Verbundenheit zu Freunden, Gleichaltrigen gewinnt an zunehmender Bedeutung.

die Kognition verändert sich, der Perspektivwechsel kommt immer mehr, manchmal „lügen“ hier die Kinder auch, um einfach die „Funktion“ zu testen.

Die Empathie entwickelt sich in diesem Zuge auch noch einmal deutlich. Die Kinder können auf einer neuen Qualität mitfühlen, oft auch den Weltschmerz der Tiere oder der aktuellen Klimasituation spüren.

Und ja, ganz ganz deutlich ist Schule ein Thema in dieser Zeit, eine neue Herausforderung mit und an der wir wachsen dürfen, die auch viele alte Themen bei uns anspricht.

Das Spannungsfeld zwischen Autonomie und Verbundenheit ist so präsent! Es ist so essentiell, dass die Kinder sich selbstwirksam fühlen dürfen und gleichzeitig verbunden, mit uns als ihren Eltern und zunehmen mehr mit ihren Freunden.

… eigene Bindungsmuster spüren…

Und wieder einmal werden wir ganz tief an unsere Bindungsmuster erinnert! Wie haben unsere Eltern uns durch diese Phase begleitet? Haben sie uns eher festgehalten, uns vor der großen Welt gewarnt oder haben sie uns in den Wellen der großen Welt allein gelassen? Oder haben sie den Weg gefunden, beide Bedürfnisse von uns zu sehen und uns begleitet durch die Wellen der Welt?

…selbst und nicht alleine….

Zurück zum Eingangsbeispiel:
Und ja so war es dann irgendwann so weit, dass wir Wege gefunden haben, dass er alleine über diesen Kreisverkehr ging und dann…. Dann wollte er nicht mehr und fand es total blöd, dass er plötzlich alleine zum Spielplatz soll. Er fragte, wer denn auf so eine Idee gekommen wäre 😉
Inzwischen ist unser Kind fast doppelt so alt, es ist eingeschult und fährt schon lange mit dem Fahrrad über diesen Kreisverkehr und doch weiterhin sind wir tief in diesem Prozess, der so viel Freude macht und gleichzeitig so viel fordert.
In dem Prozess unsere Kinder zu begleiten, ihnen zur Seite zu stehen und ihr sicherer Hafen zu sein, während sie zunehmend ihre Flüge ausbreiten, ihre Selbstwirksamkeit erobern und vergrößern und gleichzeitig tief mit uns verbunden sind.
Ein Leitsatz darf uns dabei sein, selbst und nicht alleine. Die Kinder wollen selbstständig werden, ganz aus sich selbst heraus. Und wir dürfen sie begleiten mal direkt an ihrer Seite und mal mit Abstand.
Unsere Kinder werden groß, erleben Abendteuer und fallen auch mal. Nicht immer können wir  physisch an ihrer Seite sein, doch wir sind da, mit unserem Herzen, unserem Vertrauen und tiefen Gesprächen.

Gastkolumnistin Kiran Deuretzbacher

Kiran ist bindungs- & beziehungsorientierte Eltern- und Familienberaterin und Kinder Besser Verstehen-Kursleiterin auch speziell für Schulkinder. Außerdem ist sie Ergotherapeutin und pädagogische Frühförderin. Sie ist  Mutter von drei Kindern, zwei davon sind gerade im Grundschulalter: Also auf allen Ebenen im Thema drin. Sie ist fasziniert wie schnell und nachhaltig Familien sich verändern, wenn der Blick für Bedürfnisse und die eigene innere Haltung gestärkt sind. Im Zusammenspiel von Menschen gibt es für sie kein Richtig oder Falsch. Ihr Fokus liegt auf Bindung und Beziehung und dem Sinn, der sich hinter jedem Verhalten verbirgt.

Mehr von Kiran findest du hier:
www.bindung-beziehung.de