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un(d)getrennt - Eltern bleiben trotz Trennung

un(d)getrennt - Eltern bleiben trotz Trennung

. 6 minuten gelesen

Von gesellschaftlichen Schubladen und individuellen Wegen

Zu Beginn ist es mir ein Anliegen folgende Worte loszuwerden: Mir ist bewusst, dass Trennungen häufig mit psychischen Verletzungen, Schmerz und Wut verbunden sind. Mir ist auch bewusst, dass ein wertschätzender Umgang miteinander im Moment einer seelischen Verletzung in einigen Fällen kaum oder manchmal auch gar nicht möglich ist. Dass der Schmerz einfach zu tief sitzt und die Wunde zu groß ist, um die eigene Situation reflektiert und objektiv zu betrachten. Lass mich dir sagen: Das ist okay. Jede Trennung und ihre Gründe sind am Ende so individuell wie die Beziehung selbst es auch war.

Dennoch sollten wir im Falle einer Trennung die einzelnen Beziehungen versuchen voneinander zu trennen. Da ist auf der einen Seite die gescheiterte Paarbeziehung, die Liebesbeziehung, die sich einfach nicht mehr richtig und gut anfühlt oder angefühlt hat. Auf der anderen Seite ist und bleibt da aber auch die Beziehung als Eltern, zu der immer das gemeinsame Kind oder die gemeinsamen Kinder gehört oder gehören. Wenn eine Trennung unausweichlich scheint, sollten Gefühle der Wut und Trauer, welche sehr wahrscheinlich aus dem Ende der Paarbeziehung resultieren, stets getrennt von der Elternbeziehung betrachtet werden. Zum Wohle der Kinder gilt es in jedem Fall weiterhin respektvoll und fair miteinander umzugehen. Die Kinder lieben beide Elternteile gleichermaßen und wir sollten sie als Eltern weder manipulieren noch durch unser eigenes Handeln dazu zwingen, sich am Ende positionieren zu müssen.

Mit meinen zukünftigen Einblicken hier im Magazin der starken Mütter, möchte ich dir, liebe Mama, gerne zeigen, dass eine Trennung nicht unmittelbar das Aus für euren bindungsorientierten Lebensweg bedeutet. Die Trennung ist auf der einen Seite zwar ein Ende für euch als Paar. Für euch als Familie ist sie aber auch eine Art Neuanfang. Ich möchte dich deshalb dazu einladen, hier in meiner Kolumne unseren Weg und besagten Neuanfang zu verfolgen. Denn meine ursprüngliche Vorstellung von einem erfülltem (Familien)leben, weicht von unserem jetzt gelebten Modell und dem Weg dahin, tatsächlich auch etwas ab. Ich gebe hier zukünftig sehr persönliche Einblicke in unseren Alltag, beschreibe meine Wahrnehmung der Ereignisse und mein eigenes Empfinden dabei. Weil es sich dabei um meinen Weg handelt, habe ich eine Bitte an dich: Bitte vergleiche meine Situation nicht mit deiner und (ver)urteile uns und unsere Entscheidungen nicht. Vielleicht gelingt es dir etwas Bestärkung, ein Gefühl von Verbundenheit, neue Impulse oder Optimismus aus meinen Worten und unserem Weg zu schöpfen, wenn du in einer ähnlichen Situation steckst, wie ich es vor etwa 2 Jahren tat.

Ich wünsche dir viel Freude beim Lesen!

Attachment Parenting und Trennung, geht das überhaupt?

„Das passt doch nicht zusammen. Schließlich benötigt ein Kind doch beide Elternteile und überhaupt ist es am besten für die Bindung und die emotionale Entwicklung, wenn ein Kind mit beiden Elternteilen gemeinsam in einem Haushalt aufwächst. So als richtig normale Familie eben“, flüsterte auch mir in manchen Momenten ein kleines Teufelchen ins Ohr. Doch was ist überhaupt eine „richtig normale Familie“? Wer definiert das und was unterscheidet eine „normale Familie“ von einer vermeintlich „nicht normalen Familie“?

Es gibt in unserer Gesellschaft zahlreiche individuelle Familienformen. Da wären Regenbogenfamilien, Pflegefamilien, Großfamilien, Ein-Eltern-Familien und Adoptivfamilien, um nur einen Teil davon aufzuzählen. Auch alleinerziehende Elternteile oder Patchworkfamilien sind heute keine Ausnahme mehr. Laut Familienreport des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (kurz BMFSFJ) lebten im Jahre 2016 in Deutschland knapp 1,6 Millionen Alleinerziehende. Der Begriff alleinerziehend definiert sich in diesem Zusammenhang als „ein Elternteil, das mit Kind(ern) allein in einem Haushalt lebt“.  Welche Situation genau dahinter steckt, wie die Eltern die Aufteilung der Erziehungszeit gestalten, geht aus dieser Zahl natürlich nicht hervor. Mit meinem Sohn würde ich rein statistisch gesehen der Kategorie „alleinerziehend“ zugehören, da er bei mir in der Wohnung, in der ich ohne Partner lebe, gemeldet ist. Doch muss ich sagen, dass sich diese Schublade für mich verkehrt anfühlt, denn ich lebe zwar getrennt, empfinde mich aber zu keinem Zeitpunkt als alleinerziehend.

Ich habe in diesem Zusammenhang mal ein wenig recherchiert und versucht die Schublade für unsere Familienform zu finden. Dabei bin ich auf die Begriffe der Co-Elternschaft und Nachtrennungsfamilie gestoßen. Doch statt jetzt nur die Definitionen dieser Begriffe zu erläutern, schildere ich vielleicht einfach wie wir leben.

Getrennt, aber zusammen

Der Papa meines Sohnes und ich haben uns im Frühjahr 2019 getrennt und leben seit Herbst 2019 in zwei getrennten Wohnungen. Da die Wohnungssuche in Berlin bekanntlich etwas schwierig ist und es sich für uns zum Zeitpunkt der Trennung nicht falsch anfühlte weiterhin gemeinsam unter einem Dach zu leben, haben wir die Wohnsituation zunächst so belassen wie sie war, bis wir zwei passende Wohnungen füreinander gefunden hatten. Das Zusammenwohnen als Familien-WG war für uns dabei tatsächlich problemlos möglich, weil den Papa und mich auch nach der Trennung ein freundschaftliches Verhältnis verbindet. Wir konnten und können zu jedem Zeitpunkt offen, respektvoll und wertschätzend miteinander umgehen und sprechen, was uns in der gesamten Situation natürlich unfassbar geholfen hat und wofür ich sehr dankbar bin. Dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, ist mir durchaus bewusst.

Ein destruktives und schuldzuweisendes Verhalten zwischen den Elternteilen ist grundsätzlich zu keinem Zeitpunkt hilfreich und gewinnbringend. In Zusammenhang mit einer Trennung, in die auch gemeinsame Kinder involviert sind, ist es jedoch wirklich schädlich. Die Liebesbeziehung und die Elternbeziehung sind zwei unterschiedliche Verbindungen, deren Verantwortungsbereiche und damit verbundenen Gefühle nicht miteinander vermischt werden sollten. Herausfordernd? In vielen Fällen definitiv! Machbar? In vielen Fällen definitiv!

Eine Mediation oder Trennungsbegleitung kann helfen

Wir persönlich benötigten keine Unterstützung in Form einer Mediation oder Trennungsbegleitung, da unsere Trennung am Ende einvernehmlich verlief und wir deshalb immer gut miteinander sprechen konnten. Ist dies jedoch nicht möglich, kann das Hinzuziehen eines neutralen Dritten helfen. Wenn die (Ex-)Partner feststellen, dass jedes Gespräch nur noch in angreifenden Wortgefechten endet oder die persönliche Kränkung einer Person einfach zu groß ist, kann eine Mediator*In oder Trennungsbegleiter*In Eltern in Trennungssituationen in dem Prozess neue Wege zu suchen, Gefühle zu sortieren und lösungsorientiert den Blick auf das Wesentliche zu lenken, unterstützen.

Aber wo ist dein Sohn denn zuhause?

Wir leben inzwischen in zwei Wohnungen, die etwa drei Autominuten oder 15 Laufradminuten mit vier „Guck-mal-ein-Käfer-Pausen“ voneinander entfernt liegen. Die unmittelbare Nähe der Wohnungen zueinander war für uns maßgeblich und eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Schritt der räumlichen Trennung, da wir unserem Sohn im Idealfall einen verbindenden Kiez bieten wollten, um spontane Besuche oder gemeinsame Aktivitäten leichter zu ermöglichen. Der Papa wohnt mit seiner neuen Partnerin zusammen, die sowohl ich als auch unser Sohn sehr mögen. Sie und mich verbindet mittlerweile sogar ein freundschaftliches Verhältnis und für unseren Sohn stellt sie eine weitere weibliche Bezugsperson in der Familie dar. Ich habe keinen neuen Partner. Unsere Familie umfasst somit zum aktuellen Zeitpunkt vier Personen: den Papa, seine Partnerin, unseren Sohn und mich.

Unser Sohn ist in beiden Wohnungen gleichermaßen zuhause, da wir im Wechselmodell leben. Das bedeutet, dass er zu gleichen Teilen bei mir und beim Papa und dessen Partnerin lebt, 50:50 sozusagen. Neben der exklusiven Zeit mit einem Elternteil allein kommen auch gemeinsame Ausflüge als komplette Familie, gemeinsame Essen oder auch Unternehmungen nur mit mir und dem Papa hinzu. Wir gestalten unseren Alltag dabei angelehnt an feste aber nicht in Stein gemeißelte Strukturen des Wechsels, um sowohl unserem Sohn als auch uns eine gewisse Kontinuität und Planungssicherheit zu schaffen. Dabei werden individuelle Bedürfnisse aller Seiten beachtet, besprochen und weitestgehend ermöglicht.

Das klingt jetzt alles vielleicht im ersten Moment nach viel Glück, das wir vermeintlich hatten. Vielleicht kann man es als Glück bezeichnen, dass die Trennung einvernehmlich verlief und wir immer gut miteinander kommunizieren konnten. Das war es jedoch nicht ausschließlich. Ein bisschen Glück war vielleicht dabei, aber am Ende haben wir unsere aktuelle Situation einem Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren und viel emotionaler Arbeit zu verdanken: Offenheit, Flexibilität, Vernunft, Stärke und vielleicht sogar einer gewissen Portion Mut. Dennoch begleite(te)n auch mich viele Ängste, Fragen und Selbstvorwürfe, die ich auch hier zukünftig nicht verschweigen werde.

Manchmal nimmt das Leben Wendungen, die vorher nicht für uns absehbar sind und diese Wendungen verlangen von uns, sich neu zu sortieren und auf neue Situationen einzustellen, um den bestmöglichen Weg für alle Beteiligten zu finden. Es geht also nicht um das allgemeine „Ob“, sondern vielmehr um das individuelle „Wie“.

Denn wir sind eine Familie und wir bleiben eine Familie. Auch wenn wir als Eltern getrennt sind.

Kira ist Mama eines Sohnes und lebt mit ihrer Familie in Berlin. Getrennt, aber zusammen.

Im Magazin der starken Mütter gibt sie in ihrer Kolumne un(d)getrennt ehrliche Einblicke in ihren Alltag als „allein-zusammen-erziehend-getrennt-lebende“ Familie und berichtet von ihrem Weg der friedvollen Trennung und Neuorganisation als Nachtrennungsfamilie. Dabei erzählt sie ungeschönt und offen von den Stolpersteinen und ihrem Zugewinn durch die Trennung, ohne ein übergreifendes Plädoyer für die Trennung einer Beziehung zu schaffen. Vielmehr möchte sie durch ihre Beschreibungen Mamas dabei ermutigen, sich für individuelle Wege zu öffnen und als Mama die Augen vor den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen nicht zu verschließen.

Mehr von ihr kannst du auch auf ihrem Instagramaccount @herzhoehe lesen.