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„Mama, ich kann das schon“ - motorische Entwicklung von kleinen Kindern

„Mama, ich kann das schon“ - motorische Entwicklung von kleinen Kindern

. 4 minuten gelesen

Wenn Babys auf die Welt kommen, bringen sie schon alles mit, was sie für ihre gesunde Entwicklung brauchen. Hirnforscher stellten sogar fest, dass im kindlichen Gehirn so viele Verknüpfungen angelegt sind, wie zu keinem späteren Zeitpunkt der Entwicklung. Ein Meer an Potentialen ist bereits von Anfang an da. Welche sich entwickeln, hängt von den weiteren Erfahrungen ab, die die Kinder machen dürfen.

Für die motorische Entwicklung bedeutet dies, dass Babys ihre Fähigkeiten entfalten, wenn wir ihnen Freiheit (und Geborgenheit!) geben. Ganz nach dem Motto „das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“.

Bei unseren Babys sind wir noch gewohnt unsere Kinder „nicht zu vergleichen“. Denn wir hören es von unserer Hebamme, der Kinderärztin und diversen Mama-Baby-Kursleitern. Jedes Kind lernt sich umzudrehen, zu krabbeln und zu laufen, wenn es soweit ist.
Ich frage mich, wo diese wunderbar wertschätzende Einstellung bleibt, wenn unsere Kinder älter werden. Plötzlich machen wir uns Sorgen, wenn unser Kind in einem bestimmten Alter noch kein Interesse am Fahrradfahren zeigt oder einfach nicht gern ins Schwimmbad geht.

Denn im Kindergarten und vor allem in der Schule wird das Alter zur Kategorie. Im Kindergarten darf man z.B. erst als Vorschulkind mit dem Webrahmen arbeiten und alle Kinder werden im selben Alter eingeschult. Wo ist da der Spielraum, den wir ihnen als Baby noch zugestanden haben?

Trotz allem habe das Gefühl, dass diese althergebrachten Formen und Systeme langsam aufbrechen und wir neuen Eltern beginnen umzudenken. Gespannt werde ich diese Entwicklung zu mehr Bindung und Beziehung mit unseren Kindern und Freiheit im Lernen (z.B. an freien Schulen) weiter beobachten. Auch wenn das noch Zeit braucht, können wir unseren Kinder jetzt schon das Gefühl vermitteln: „Du bist gut so, wie du bist. Ich messe deinen Wert nicht an einer Leistung und vergleiche dich nicht mit anderen Kindern. Ich liebe dich, egal was du tust.“

Bezüglich ihrer motorischen Fähigkeiten verfügen Babys und kleine Kinder über eine sehr gute Selbsteinschätzung. Sie fühlen also sehr wohl, was sie sich, beispielsweise beim Klettern, zutrauen können. Begleiten wir unsere Kinder vertrauensvoll dabei, erhält sich diese Selbsteinschätzung. Es ist also wichtig, dass wir wahrnehmen, was das Kind gerade

lernen will. Sei es, sich vom vom Rücken auf den Bauch zu drehen oder die Treppe zu erklimmen. Meldet sich unser Inneres mit „Nein, er wird herunterfallen!“ oder sprechen wir es sogar aus: „Du wirst dir noch das Genick brechen!“ oder „Nein, das kannst du noch nicht!“ vertrauen wir nicht in die Fähigkeiten unserer Kinder.

Kinder richten sich immer nach uns und was wir sagen, ist die Wahrheit in ihren Augen. Hört das Kind häufig von uns, „das kannst du noch nicht“ und wird mit erschrockenem Ausdruck unsererseits von der Treppe gehoben, lernt es „ich kann es nicht. Mama macht es für mich.“ So kann es passieren, dass diese von der Natur angelegte Selbsteinschätzung verloren geht.

Möchtest du dein Kind in seiner motorischen Entwicklung fördern, so lass es seine eigenen Erfahrungen (und auch seine eigenen Fehler) machen. Sei als Sicherheit bei ihm. Stehe schützend hinter ihm, wenn das Klettergerüst zum ersten Mal erklommen wird. Hebe es aber nicht hinauf. Der Lernerfolg und die Freude werden umso größer sein, wenn dein Kind es aus eigener Kraft geschafft hat.

Oft beobachtet man auf Spielplätzen, wie die Kinder von Spielgerät zu Spielgerät gelotst werden. Auf die Rutsche gehoben („hui“), dann zur Schaukel („schau mal, wie toll!“) und jetzt in den Sand („Kuchen backen“). So erschweren wir den Kindern die Erfahrung von Selbstwirksamkeit: Dieses Gefühl, dass ich etwas schaffen und etwas bewirken kann. Die Kinder brauchen Zeit, um sich die große Welt zu erobern und sich sicher in ihr zu bewegen. Natürlich ist es für unsere Kinder wertvoll, wenn wir uns Zeit nehmen und auch mal mit ihnen spielen. Ich möchte euch ermutigen, dabei die Welt durch die Augen eurer Kinder wahrzunehmen.

Wir können gespannt beobachten, zu welchem Spielgerät es unser Kind hinzieht. Was sein Interesse weckt und die Aufmerksamkeit hält, ist genau das, was das Kind gerade lernen möchte und auch genau jetzt am besten lernen kann. Maria Montessori nennt diese Bereitschaft zu Lernen „die sensiblen Phasen“.

Sie beobachtete schon vor rund einhundert Jahren, dass es bestimmte Zeiträume gibt, wo die Kinder offener für neue Erfahrungen sind. Sie lernen dann mit Leichtigkeit und das Gelernte bleibt im Gehirn verankert. Zu einem späteren Zeitpunkt würde das Kind das Selbe nur mit sehr viel mehr Anstrengung lernen. In Montessori-Kinderhäusern wird diese Erkenntnis beachtet. Kinder zeigen oft schon im Alter von 3 Jahren Interesse am Lesen und Schreiben, um ein Beispiel zu nennen. Mit Montessori-Materialien dürfen sie dann erste Erfahrungen mit Buchstaben und Lauten sammeln.

Während ich dies schreibe, erinnere ich mich an meinen Schulleiter an der Erika Klütz Schule und wie er uns von einem Anruf einer Mutter berichtete. Diese wollte gerne das Tanztalent ihrer zweijährigen Tochter fördern, mit der Intention sie beim Ballett anzumelden. Herr Dr. Eckhard gab sich sehr erstaunt und empfahl ihr, ihre Tochter mit auf den Spielplatz zu nehmen und sie einfach spielen und klettern zu lassen. Dies sei die beste Vorbereitung auf den Tanz.

Natürlich gilt auch im motorischen Bereich: Kinder lernen durch Nachahmung. Alles das, was sie im Alltag bei uns beobachten, wollen sie kopieren. Kleine Kinder übersetzen dies aber gerade im motorischen Bereich in ihre freie Bewegung. Je älter die Kinder werden, umso mehr wächst das Interesse diese Nachahmung perfektionieren zu wollen. Auf den Tanz bezogen, bedeutet dies: je kleiner die Kinder, umso freier der Tanz. Je älter sie werden, umso mehr ist es möglich feste Abfolgen, vorgegebene Körperhaltungen und Kombinationen mit ihnen zu üben. Dies gilt natürlich auch für andere Bewegungsformen und Sportarten.

Liebe Mamas und Papas, seid gespannt und habt Vertrauen. Eure Kinder zeigen euch, was sie schon können und es ist an uns, ihnen diese Erfahrungen zu ermöglichen. Begleitet eure Kinder liebevoll dabei. Gebt ihnen die Zeit, die sie brauchen. Erlaubt auch ein Scheitern und spendet Trost. Es kommt ein neuer Versuch und das Gefühl: „Auch wenn es schwierig wird, kann ich es schaffen.“

Gastkolumnistin Sara Theile

Sara ist Tanzpädagogin, Pilates-Trainerin und Bildungswissenschaftlerin (BA)

www.saras-tanzstudio.de