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Die Wandlung von der Frau zur Mutter - Kolumne von Romy Winter

Die Wandlung von der Frau zur Mutter - Kolumne von Romy Winter

. 5 minuten gelesen


Es gab diese Momente in denen ich unsicher war, wieviel Aufmerksamkeit und Glanz wir der Mutterschaft schenken sollten. Vielleicht, so dachte ich, wird diese normalste Sache der Welt erst dadurch kompliziert, dass wir so eine Besonderheit daraus machen. Vielleicht, so vermutete ich, ist der Druck nur deswegen so hoch, weil wir den Herausforderungen und Erwartungen der Mutterschaft zu viel Raum geben. Vielleicht, so glaubte ich, fühlen sich die Verantwortung und die Vielfalt der Möglichkeiten nur deswegen so untragbar an, weil wir genauso viel Zeit mit unseren Zweifeln verbringen, wie mit unseren Kindern.
Doch dann verstand ich, dass meine Gedanken oberflächlich und unfertig waren und wir das Thema Mutterschaft unbedingt wieder in den persönlichen, sozialen und gesellschaftlichen Fokus stellen sollten. Denn Mutterschaft ist Lebenskraft. Und wir sind darin nicht deswegen so unbeholfen, weil wir ihr zu viel gegenwärtige Aufmerksamkeit schenken, sondern, weil die Vergangenheit - und somit all das Urwissen - in Vergessenheit geraten ist. Wir schenken unseren Wurzeln, unseren Prozessen, unserer Intuition und unseren Potentialen nicht den gebührenden Raum. Wir mildern unsere eigene Transformation. Das alte Wissen stirbt aus. Dabei ist alles, was wir brauchen in uns - wir müssen uns nur erinnern. All die Weisheit, die wir uns so oft, so sehr herbeisehnen wohnt buchstäblich in unseren Herzen - aber natürlich müssen wir erst lernen sie wahrzunehmen, anzuwenden und zu erweitern.

Vom Beginn einer Reise

Und zu allererst dürfen wir uns selbst wahrnehmen. Uns und unseren Wandel von der Frau zur Mutter.Es ist nicht ganz klar, wann und wo diese Reise beginnt. Für einige Frauen beginnt sie sobald ein kleines Herzchen unter dem eigenen zu pochen beginnt und zwei Herzen in einem Körper schlagen. Für andere Frauen beginnt die Reise schon dann, wenn der Kinderwunsch oder die kleine Seele spürbar wird. Ich glaube, dass die Reise schon viel früher beginnt - nämlich dann, wenn wir vom Mädchen zur Frau werden. Doch dieser Reife- und Entwicklungsprozess rund um die Empfängnis wird in unserer Gesellschaft kaum thematisiert oder zelebriert - und so ist es wenig verwunderlich, dass uns die Verbindung zu unserem Zyklus und zu unserer Weiblichkeit auch dann noch zu fehlen scheint, wenn wir sie am meisten bräuchten - nämlich in Zeiten von Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Mutterschaft.

Ein Ende um das wir trauern dürfen

Jede Schwangerschaft ist der Beginn einer tiefen Transformation. Zu kaum einer anderen Zeit im Leben sind wir so empfänglich und weich für Veränderungen und Wachstum. Wir erreichen eine neue Gefühlstiefe und -vielfalt. Und obwohl wir Leben und somit die Quelle der Existenz in uns tragen, durchlaufen wir in dieser Zeit auch Phasen der Endlichkeit. Wir stehen am Ursprung des Kreislaufes von Leben und Tod. Und dieser Kreislauf ist feingliedriger als wir denken. Denn jedem Anfang wohnt nicht nur ein Zauber, sondern auch ein Ende inne. Und um dieses Ende dürfen wir trauern. Du darfst Abschied nehmen - von deinem Leben wie es war. Insbesondere im Wochenbett werden viele Frauen von eben dieser Trauer überrascht. Und das ist ok. Wir dürfen um das Leben weinen, das wir hatten. Wir dürfen trauern um die Frau, die wir waren und um die Möglichkeiten, die nie zu Erinnerungen wurden und um die Erinnerungen die besser nur Möglichkeiten geblieben wären. Natürlich sind wir kein komplett anderer Mensch. Wir sind nicht gestorben. Und doch müssen kleine Anteile in uns sterben, um Raum zu schaffen für die Mutter in uns. Altes muss gehen, damit Neues kommen kann. Denn mit jedem Kind wird auch eine Mutter geboren. Und das gilt es zu würdigen. Denn wir sind nicht nur Göttinnen, die das unglaubliche Wunder vollbringen, Leben zu erschaffen. Wir sind Menschinnen, die nun zusätzlich zu ihrer Rolle als Partnerin, Tochter, Freundin, Schwester und Berufstätigen noch eine weitere Rolle ausfüllen: Die Mutterrolle. Vielmehr noch als eine Rolle ist es ein Teil unserer urweiblichen Identität, der so emotional besetzt ist wie kein anderer. Wir sind verletzlicher denn je. Wir tragen Verantwortung für einen oder mehrere kleine Menschen und unser Leben verändert sich stetig, weil wir uns stetig neu erfinden müssen - um in jedem Alter und in jeder Situation die vielen Bedürfnisse einer Familie in Einklang zu bringen, ohne uns dabei selbst zu vergessen.

Über den Raum für etwas Neues

Nein, wir können der Mutterschaft nicht zu viel Aufmerksamkeit und Würdigung schenken. Denn wir durchleben eine unglaubliche Transformation - vielleicht die größte unseres Lebens, vielleicht die größte der Menschheit. Wenn eine Frau zur Mutter wird, wird sie zur Urkraft, die seit Anbeginn unserer Zeit, die Menschheit nährt. Wir dürfen diesen physischen, psychischen, seelischen und emotionalen Prozessen und dem Urwissen (welches unsere Ahnen über unzählige Generationen im Studium des Lebens angesammelt haben und das wie eine große Bibliothek jeder von uns inne wohnt) Verständnis und Neugier schenken, um es voller Ehrfurcht an unsere Töchter und Söhne weiterzugeben. Hingebungsvoll.
Und hingebungsvoll bedeutet in diesem Fall, sich den Veränderungen, den Höhen und Tiefen aber auch den Grenzen hinzugeben. Es ist ein Prozess der viele Jahre, mehrere Kinder oder sogar ein ganzes Leben dauern kann und dessen angestrebtes Ziel nicht die Perfektion, sondern die Menschlichkeit ist. Denn Mama zu sein bedeutet auch immer wieder über sich selbst enttäuscht zu sein, Erwartungen gehen zu lassen und sich der Realität zu stellen. Die Balance zwischen guter Mutter und (wilder) Frau lässt sich nicht wie ein verlorenes Spielzeug in der Sofaritze, unter dem Bett oder mal eben in der Mittagspause finden. Vielmehr ist es ein Pendeln zwischen den eigenen inneren Anteilen und den Bedürfnissen aller, welches mal besser und mal schlechter läuft - und der Frage folgen sollte, was gerade wirklich wirklich dran und wichtig ist.

Viele weibliche Qualitäten sind in Vergessenheit geraten. Und obwohl wir in einer sehr offenen Gesellschaft leben, wird dem Thema der sinnlichen Weiblichkeit und weiblichen Urkraft kaum Zeit und Interesse gewidmet. Dabei glaube ich fest daran, dass wir die meisten Antworten auf die Fragen, die das Leben uns (Frauen) stellt in uns finden können, wenn wir uns zurückbesinnen und verbinden - mit uns, miteinander und mit Pachamama, Mutter Erde. Denn auch, wenn der Wandel von der Frau zur Mutter nicht im Außen, sondern tief in unserem Inneren passiert, so sind wir keinesfalls allein.Wir sind eingebettet. Wir sind geborgen. Wir sind verbunden. Mit allen die vor uns waren, mit uns sind und nach uns kommen.
Alles was es braucht, bist du.
Romy

  Über die Autorin

Romy Winter ist dreifache Mama und lebt mit ihrer Familie möglichst naturverbunden, nachhaltig und minimalistisch am Meer im Norden Deutschlands. Als Autorin, psychologische Beraterin, Doula und Familientherapeutin i.A. begleitet sie Frauen und Familien auf ihrem ganzheitlichen Weg in ein selbstbestimmtes und friedvolles Leben (www.inneres-gold.de). Dabei zieht sich der Glaube an die tiefe Weisheit und das Licht in jedem Menschen - egal ob klein oder groß - wie ein goldenes Band durch ihre Arbeit. Besondere Aufmerksamkeit schenkt sie den Themen Artgerechtigkeit, Weiblichkeit, Intuition, Resilienz und Verbundenheit. Seit 2018 ist Romy Mitherausgeberin des Magazins The Mothering Journey und freie Dozentin.